Erschöpfungsdepression

Die Erschöpfungsdepression tritt immer häufiger auf, da das Leben von vielen Menschen von Hektik und Stress geprägt ist. Im Beruf wird immer mehr Leistung gefordert und auch im privaten Bereich gibt es mit Haushalt und Kindern so einiges zu bewältigen. Das ist eine andauernde große Belastung, die in einer Erschöpfungsdepression enden kann.

Diese geht mit verschiedenen Symptomen wie Kraftlosigkeit, Erschöpfung, innere Unruhe und Schlafproblemen einher. Die Erschöpfung steht als Hauptmerkmal im Vordergrund. Was sind die weiteren Anzeichen? Welche Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten gibt es? Die Antworten auf diese und weitere Fragen erhalten Sie nachfolgend.

Welche Ursachen gibt es bei der Erschöpfungsdepression?

Die Depression kann sich über viele Monate oder sogar Jahre entwickeln. Die Ursache ist eine Kombination aus zu hohen Anforderungen, was sowohl beruflich als auch privat der Fall sein kann. Die Veränderungen der Arbeitswelt werden als wichtigster Faktor angesehen: Es wird immer mehr Leistung von den Mitarbeitern gefordert, bei einer oftmals mangelnden Belohnung. Auch die eigene psychische Belastbarkeit und Stressresistenz spielen bei der Entstehung einer Erschöpfungsdepression eine große Rolle. Weitere häufige Gründe sind:

  • steigender Konkurrenzdruck
  • Abbau von Stellen und die damit einhergehende Angst um den Arbeitsplatz
  • ständige Erreichbarkeit
  • zu großer Ehrgeiz
  • Mobbing
  • schlechte Arbeitsbedingungen
  • wachsende Verantwortung
  • zu wenig Ruhepausen

Der Stress und die Erschöpfung halten meist über einen längeren Zeitraum an, selbst an den Wochenenden oder im Urlaub. Es kann beobachtet werden, dass auch die Persönlichkeit eine Rolle spielt. Betroffen sind von einer Erschöpfungsdepression häufig Menschen, die zu hohe Erwartungen an sich selbst haben. Sie setzen ihre Ziele oftmals unrealistisch hoch, sind perfektionistisch veranlagt und im Job überengagiert. Eine ständige Überforderung oder hohe Verantwortung führt zu einem übermäßigen Stress und Energieverlust. Diese Personen sind anfällig. Neben diesen Hauptrisikofaktoren soll auch eine genetische Veranlagung dazu beitragen, eher für eine Erschöpfungsdepression anfällig zu sein.

Körperliche Symptome einer Erschöpfungsdepression auf

Betroffene bemerken die Symptome kaum oder sie werden überspielt oder nicht richtig zugeordnet. Die Erkrankung beginnt meist mit einer Angespanntheit, Unruhe, Nervosität, leichten Reizbarkeit und Schwierigkeiten beim Einschlafen. Es folgt eine sinkende Leistungsfähigkeit. Die Betroffenen können sich nur schwer konzentrieren. In der nächsten Phase kommt es zu körperlichen Symptomen, die sehr vielfältig sind. Dazu gehören beispielsweise:

  • Herzrasen und -stechen
  • Bluthochdruck
  • Schwindel
  • Atemnot
  • Druckgefühl im Kopf

Auch chronische Rückenschmerzen und eine erhöhte Infektanfälligkeit können im Rahmen der Erschöpfungsdepression auftreten.

Weitere Symptome einer Erschöpfungsdepression

Menschen mit einer Erschöpfungsdepression beschreiben ihr Empfinden häufig als Verlust von Vitalität und Elan. Die Fähigkeit, an den gewöhnlichen Aktivitäten des Alltags teilzuhaben, ist deutlich eingeschränkt oder unmöglich. Daher liegt oftmals eine Arbeitsunfähigkeit vor und auch der Haushalt wird vernachlässigt. Die Belastungsgrenze ist überschritten. Viele Betroffene ziehen sich zurück und pflegen keine sozialen Kontakte mehr. Die mentalen Fähigkeiten lassen nach und das Selbstvertrauen sinkt.

Es gibt typischerweise drei Phasen bei der Erschöpfungsdepression:

1. Phase: Schwäche, Überempfindlichkeit und Reizbarkeit
2. Phase: Psychosomatische Beschwerden und Erkrankungen
3. Phase: Die eigentliche Erschöpfungsdepression

Erschöpfungsdepression nach ICD 10

Nach dem ICD-10, dem wichtigsten, weltweit anerkannten medizinischen Diagnoseklassifikationssystem, mit dem sich verschiedene Formen depressiver Erkrankungen unterscheiden lassen, gehört die Depression zu den affektiven Störungen. Diese Gruppe der psychischen Erkrankungen ist insbesondere durch eine Veränderung der Stimmungslage gekennzeichnet.

Dauer einer Erschöpfungsdepression

Zunächst einmal lässt sich nicht genau bestimmen, wie lange die Erschöpfungsdepression anhält. Dies hängt davon ab, wie früh sie erkannt und behandelt wurde. Ebenso entscheidend sind die Dauer der Überbelastung, der Schweregrad des Erschöpfungssyndroms, das Allgemeinbefinden und die Erholungsqualität. Die letzte Phase der Depression kann sich ohne eine Behandlung über mehrere Jahre hinziehen und ist durch schwere Schlafstörungen, eine hohe Schmerzempfindlichkeit und Existenzängste geprägt. Eine unbehandelte Erschöpfungsdepression kann das Alltags- und Privatleben des Betroffenen und der Angehörigen schwer belasten und schlimmstenfalls sogar eine Berufsunfähigkeit nach sich ziehen. Die schwerwiegende seelische Störung kann zu langfristigen Schäden führen, sowohl in psychischer als auch körperlicher Hinsicht. Daher ist ein frühzeitiges Einschreiten sehr wichtig.

Was tun bei einer Erschöpfungsdepression

Die Erschöpfungsdepression kann durch eine Therapie im Allgemeinen sehr gut behandelt werden. Die Voraussetzung ist jedoch, wie bereits erwähnt, eine frühzeitige Behandlung. Zu den Eckpfeilern der Therapie gehören:

Kur und Rehabilitation

Die Kur bietet dem Erkrankten nicht nur eine Auszeit von belastenden Situationen wie der Arbeit, sondern dient auch der richtigen Behandlung und der Rehabilitation. Sollte es ihm sehr schlecht gehen, was insbesondere in der Anfangsphase möglich ist, stehen rund um die Uhr Fachkräfte zur Verfügung. Zunächst einmal erfolgt die Analyse durch einen Psychologen, um zu ermitteln, welche konkreten Probleme vorliegen, eine nachhaltige Behandlung einleiten zu können und den Patienten körperlich und psychisch wieder aufzubauen. Er lernt, mit Belastungen und Stress umzugehen und auf Entspannung bzw. einen guten Ausgleich Wert zu legen. Im Vordergrund stehen die Gesprächstherapie sowie therapeutische Verfahren wie Meditation, progressive Muskelrelaxation oder Körperwahrnehmung.

Gute Kliniken für eine Kur

Es gibt mehrere Kliniken, die sich mit der Erkrankung befassen und Betroffenen die Möglichkeit einer dauerhaften Genesung bieten. Die Kliniken Bad Bocklet sind mit den beiden Standorten in Bad Bocklet und Bad Kissingen in der FOCUS Siegerliste als „TOP-REHA-Kliniken 2018“ erschienen. Auch das Gesundheitszentrum JOVITALIS Bad Füssing ist auf die Behandlung einer Erschöpfungsdepression spezialisiert.

Verhaltenstherapie

Die Verhaltenstherapie ist ebenso eine Möglichkeit, die Erschöpfungsdepression zu behandeln. Sie verfolgt das Ziel, zunächst einmal ein Verständnis der aktuellen Situation zu erarbeiten, das heißt, die auslösenden und aufrechterhaltenden Faktoren zu erkennen. Im nächsten Schritt werden wirksame Möglichkeiten erarbeitet, um die Probleme zu bewältigen bzw. schädliche Muster zu ändern. Die zuvor erarbeiteten Bewältigungsstrategien sollen nach Ablauf der Therapie dann im Alltag konkret angewendet werden. Das Gelernte wird also auf mögliche problematische Situationen übertragen.

Tiefenpsychologische Psychotherapie

Die Erschöpfungsdepression kann auch mit einer tiefenpsychologischen Psychotherapie erfolgreich behandelt werden. Sie kommt bei Störungen zum Einsatz, die in inneren Konflikten verwurzelt, gleichzeitig aber auch an aktuelle Lebensumstände geknüpft sind. Es geht in der tiefenpsychologischen Psychotherapie darum, sich auf bestimmte Themenstellungen zu konzentrieren. Am Anfang stehen diagnostische Gespräche, um den Behandlungsfokus festzulegen und Lösungen zu finden. Es geht darum, das eigene Erleben und Verhalten sowie das Selbstbild positiv zu beeinflussen und zu prägen. Für die Therapie sind in der Regel 50 bis 80 Sitzungen erforderlich. Sie verlangt vom Patienten eine aktive Mitarbeit.

Selbsthilfe zur Unterstützung bei einer Erschöpfungsdepression

Stress vermeiden
Stressreaktionen entstehen meist, da versäumt wurde, die Auslöser zu meiden oder damit anders umzugehen. Es ist wichtig, die Auslöser zu erkennen und sie anschließend zu meiden oder Bewältigungsstrategien zu entwickeln. Es geht darum, die oftmals fließende Grenze zwischen dem Stress und einer Erschöpfung nicht zu überschreiten.

Entspannungstechniken anwenden
Zu einem wirksamen Stressmanagement gehört es auch, Entspannungstechniken zu erlernen, die dem Stressabbau dienen. Eine der bekanntesten Entspannungsverfahren ist wohl die Progressive Muskelentspannung (PME)

Sport treiben
Ebenso sinnvoll ist ein passender Ausgleichssport, um schon im Vorfeld Stress abzubauen. Sport hilft im Allgemeinen gut gegen Depressionen, zum Beispiel Ausdauersportarten wie Joggen, Radfahren oder Schwimmen. Selbstverständlich sollte beim Sport kein Wettkampfgedanke aufkommen. Der Sport soll allein der Fitness und Entspannung dienen.

Spazieren gehen
Ein Spaziergang von 15 Minuten kann ausreichen, um den Kopf frei zu bekommen. Ganz hervorragend lässt sich eine Achtsamkeitsmeditation beim Spazierengehen einbauen.

AAVA Prinzip anwenden
Das AAVA Prinzip ist ein 22.Wochen-Selbstcoaching-Programm was sich um die Faktoren (Selbst-)Akzeptanz, Achtsamkeit, Veränderung und Ausdauer dreht. Ich habe diesen Selbsthilfekurs erstellt. Für weitere Informationen klicken Sie oben auf den Banner Selbsthilfe bei Burnout.

Letztendlich sollte versucht werden, belastende Faktoren oder Auslöser zu erkennen und sie möglichst zu vermeiden. Ebenso sind ein gesunder Lebensstil, ein optimales Gleichgewicht zwischen Stress und Entspannung eine gute Möglichkeit, um einer Erschöpfungsdepression vorzubeugen.

Welche Medikamente gibt es zur Behandlung einer Erschöpfungsdepression?

Es gibt verschiedene antidepressiv wirksame Medikamente, die bei der Behandlung depressiver Störungen zum Einsatz kommen und häufig sehr gut helfen. Die modernen Mittel erzeugen keine Sucht, verändern die Persönlichkeit des Menschen nicht und haben meist nur geringe Nebenwirkungen.

Zu den Medikamenten gehören neuere Präparate wie die selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), trizkylischen Antidepressiva und Monoaminoxidase-Hemmer (MAO).

Citalopram
Das Antidepressivum Citalopram kann dabei helfen, die Stimmung und Antriebslosigkeit zu verbessern. Es wird auch gern bei einer Depression verordnet, die von Traurigkeit begleitet ist. Citalopram gehört zu den am häufigsten verwendeten Antidepressiva. Citalopram wirkt kaum an Rezeptoren im Gehirn oder dem Nervensystem und hat daher geringe Nebenwirkungen.

Fluoxetin
Auch das Antidepressivum Fluoxeti verspricht Hilfe bei der Erschöpfungsdepression. Es erhöht den Serotonin-Gehalt im Gehirn und sorgt somit für eine verbesserte Stimmung und mehr Antrieb. Nach aktuellen Forschungserkenntnissen gilt ein Mangel dieses Botenstoffes als Ursache von Depressionen.

Mitrazapin
Zu den Symptomen der Erschöpfungsdepression gehören auch eine Innere Unruhe und Schlafstörungen. Mirtazapin kann diese verbessern und dabei helfen, zur Ruhe zu kommen. Das Medikament wird meist vor dem Zubettgehen genommen. Mirtazapin zeigt bei den meisten eine gute Wirksamkeit und Verträglichkeit.

Natürliche Antidepressiva zur Hilfe bei einer Erschöpfungsdepression

Es gibt tatsächlich etwas wie natürliche Antidepressiva. Allerdings sollte auch vor deren Einnahme ein Arzt aufgesucht werden, da bei einigen dieser natürlichen Antidepressiva Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten auftreten können.

Johanniskraut
Bei einer leicht bis mittelschwer ausgeprägten Erschöpfungsdepression kann Johanniskraut helfen. Die beliebte Heilpflanze kann in der Form von Kapseln oder als Tee eingenommen bzw. getrunken werden. Geben Sie einen Teelöffel getrocknetes Johanniskraut auf eine Tasse siedendes Wasser, lassen Sie es zehn Minuten lang ziehen und trinken Sie dann zwei Tassen täglich davon. Dies kann die depressive Verstimmung aufhellen.

Achtung: Johanniskraut kann die Wirkung einiger Verhütungsmittel negativ beeinflussen oder sogar aussetzen!

Bei der Einnahme von Johanniskraut sollten Sie wissen, dass es die Wirkung der Antibabypille schwächt. Der Grund ist folgender: Es hat den Nebeneffekt, dass es im Darm und in der Leber bestimmte Enzymsysteme aktiviert, welche den Stoffabbau beschleunigen. Dem Körper wird dadurch signalisiert, dass Fremdstoffe, demzufolge ebenso die Pille, schneller abgebaut werden müssen. Weniger Wirkstoff bedeutet eine verminderte Wirkung, das heißt, eine geschwächte Empfängnisverhütung. Am sichersten ist es, sich vom Hausarzt oder Frauenarzt beraten zu lassen, damit ein optimaler Schutz gegen eine Schwangerschaft vorliegt.

Tryptophan 5 htp
Bei der nicht-proteinogenen Aminosäure 5-Hydroxytryptophan handelt es sich um ein Nahrungsergänzungsmittel, das dabei helfen kann, besser ein- und durchzuschlafen. Vom Gehirn erfolgt eine Umwandlung in Serotonin und Melatonin. Diese beiden Neurotransmitter sind beispielsweise für die Regulierung der Schlafmuster verantwortlich. Wenn der Wert höher ist, kann der Schlaf tiefer und erholsamer werden. Durch die Anwendung kann zudem schlechte Stimmung verbessert werden. Auch ist es möglich, Stress, Nervosität und Angstzustände zu lindern.

Was gibt es bei der Einnahme von Tryptophan 5 htp zu beachten?

Tryptophan 5 htp wird nicht für eine längere Einnahme empfohlen und sollte nicht mit anderen Medikamenten gegen Angstzustände eingenommen werden. Zum Teil kommt es zu schweren Wechselwirkungen mit anderen Serotonin-Wiederaufnahmehemmern. Daher sollte unbedingt abgesehen werden von einer zeitgleichen Einnahme. Des Weiteren kann es in seltenen Fällen zur Aufregung oder Ruhelosigkeit kommen. Extrem hohe Dosen können zum sogenannten „Akuten Serotonin-Syndrom“ führen

Reishi Pulver
Reishi Pulver stammt aus dem Fruchtkörper des Reishi-Pilzes, der zu den beliebtesten Nahrungsergänzungen der traditionellen chinesischen Medizin gehört. Der Fruchtkörper wird schonend getrocknet und vermahlen, damit die Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente erhalten bleiben und vom Körper gut aufgenommen werden können. Das Reishi Pulver soll ausgleichend auf das Hormonsystem wirken und bei einer Erschöpfungsdepression helfen. Es enthält Tryptophan, bei dem es sich um eine Vorstufe des Botenstoffs Serotonin handelt. Serotonin wird ebenso als Glückshormon bezeichnet, das bei Depressiven oftmals nur in einer sehr niedrigen Konzentration nachzuweisen ist. Dies äußert sich in einer gedämpften Gemütslage. Das Reishi Pulver kann daher das psychische Wohlbefinden verbessern. Der Verzehr eignet sich vor allem vor dem Schlafengehen, beispielsweise als Zutat im Smoothie oder in Wasser gerührt.

Die traditionelle chinesische Medizin (TCM) nutzt den Reishi Pilz für die Behandlung von vielen verschiedenen Krankheiten. Bei regelmäßiger und längerer Anwendung soll er soll eine ausgleichende Wirkung auf Körper und Geist haben.

Fazit: Erschöpfungsdepression auf dem Vormarsch – Achten Sie auf sich

In Deutschland leiden einige Millionen Menschen unter Depressionen. Doch nicht jede Erschöpfung deutet darauf hin, dass es sich um eine Depression handelt. Hierbei gilt es immer, das Ausmaß, die Intensität und die Dauer zu beachten. Eine Erschöpfungsdepression ist mindestens zwei Wochen lang vorhanden. Es handelt sich hierbei meist um einen schleichenden Prozess. Wenn neben dem beruflichen Stress keine Zeit mehr für ein Privatleben und Erholung bleibt, das heißt, kein gesunder Ausgleich geschaffen wird, besteht keine Möglichkeit, sich psychisch zu regenerieren. Dies verbirgt das Risiko, eine Depression zu entwickeln.

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