Depression

Die Begriffe Depression und deprimiert sein, werden in der Umgangssprache oft falsch gebraucht. Vielfach werden sie als Synonym für eine schlechte Stimmung oder Traurigkeit verwendet. Sie beschreiben aber einen ganz anderen Sachverhalt, nämlich ein Krankheitsbild, welches sich durch eine krankhafte und unnatürlich auftretendes, oft dauerhaftes Stimmungstief auszeichnet.

Wer eine Depression hat, dessen Privat- und Berufsleben sind oft stark von den Auswirkungen und Symptomen der Depression beeinträchtigt. Zu den eigentlichen Symptomen der Krankheit kommt die Tatsache, dass eine Diagnose oft schwierig ist, vor allem, weil diese Krankheit, anders als zum Beispiel ein gebrochenes Bein, mit schamhaften Gefühlen behaftet ist.

Ist eine Depression erstmal klar als Krankheit diagnostiziert kann sie zielgerichtet behandelt werden – wie jede andere Krankheit auch. Betroffenen fällt es oft schwer, sich ärztliche Hilfe zu holen, weil sie dem Irrglauben erlegen sind, dass sie sich einfach „zusammenreißen“ könnten und dass eine Gemütserkrankung keine richtige Krankheit ist.

Aber auch die Scham, psychisch krank zu sein oder psychische Probleme zu haben, hält viele Menschen davon ab offen über Ihre Depression zu sprechen oder sich diese einzugestehen. Bei vielen Betroffenen ist die Angst vor Ausgrenzung oder dummen Sprüchen und Getuschel zu groß.

In dieser Richtung leisten Betroffen Blogger, Psychologen und Mediziner schon seit vielen Jahren Aufklärungsarbeit. Aber die Botschaft ist noch lange nicht bei allen angekommen. Dieser Artikel soll Ihnen – egal ob Betroffener, Angehöriger oder einfach nur Interessierter – einen Überblick über die Ursachen, die Diagnose und Behandlung der Depression geben.

Sollten Sie unter einer Depression, Ängsten oder anderen psychischen Erkrankungen leiden, rate ich Ihnen sich ernsthaft mit dem Thema auseinanderzusetzen und sich einem Arzt oder Psychotherapeuten aufzusuchen. Ich kann Ihnen aus eigener Erfahrung sagen, dass es sehr wichtig ist, eine Depression oder andere psychische Erkrankung so früh wie möglich zu erkennen, um einen bestmöglichen Behandlungserfolg zu gewährleisten.

Gehen Sie den ersten Schritt und holen Sie sich Hilfe. Haben Sie keine Scham oder Angst abgestempelt zu werden.

Depressive Störungen – mehr als nur „mies drauf“

Wie bereits angesprochen ist eine Depression klar von einer schlechten Laune oder Traurigkeit abzugrenzen. Das Krankheitsbild Depression ist in der ICD 10 klar definiert. Schlechte Stimmung hat jeder einmal. Viele Menschen haben in ihrem üblichen Alltag hin und wieder Tage, an denen sie sich nicht wohl fühlen.

Das ist aber noch keine Depression. Für vorübergehende schlechte Laune können konkrete Gründe, ungeliebte Aufgaben auf der Arbeit, Langeweile oder private Probleme verantwortlich sein. Dasselbe gilt für Traurigkeit. Trauer nach einem Todesfall oder nach einer Trennung sind ganz natürliche Gefühle, die möglicherweise sehr stark beeinträchtigen, aber zeitlich begrenzt sind.

Von einer Depression spricht man erst dann, wenn die Betroffenen scheinbar grundlos ständig eine negative Grundstimmung haben, wenn sie sich antriebslos, hoffnungslos, energie- und appetitlos fühlen und es auch positive Nachrichten oder Ereignisse nicht schaffen, sie aus diesem Tief heraus zu holen. Viele Betroffene neigen zum Grübeln und fühlen sich isoliert sowie gefühls kalt.

Quelle: Robert Koch Institut / Statista

Depressionen sind nichts Seltenes. Ich habe mal gelesen, dass im Durschnitt jeder fünfte Deutsche einmal in seinem Leben an einer Depression leidet. Natürlich haben diese unterschiedliche Schweregrade. Wie erkennt man also, ob man bloß schlecht gelaunt oder tatsächlich depressiv ist?

Als Warnzeichen gelten massive Antriebslosigkeit und Lustlosigkeit, Schlafprobleme (entweder Schlaflosigkeit oder übermäßiges Schlafen), plötzliche Gewichtsveränderungen, Grübeln, tiefe Traurigkeit, Stimmungsschwankungen, Konzentrationsschwäche, stetig wiederkehrende Schuldgefühle, Ängste und der Verlust des Selbstwertgefühls und nicht zuletzt auch Selbstmordgedanken.

Treten Depressionen in der Familiengeschichte auf, kann dies auch als erster Hinweis dienen. Bei mir zieht sich die Depression wie ein roter Faden durch die Familie mütterlicherseits. Ich musste miterleben, wie sich meine Oma, meine Mutter und ein weiteres Familienmitglied mütterlicherseits das Leben genommen haben. Sie haben alle Suizid begangen.

Ein weiterer Anhaltspunkt ist auch die Häufigkeit von schlechter Laune, Unzufriedenheit und ständiges Gefühlschaos. Wer ständig mit diesen Symptomen und Verhaltensweisen zu kämpfen hat, sollte unbedingt mit einem Arzt über seine Situation sprechen.

Eine Weiter Möglichkeit der Depression auf die Schliche zu kommen könnte sein, sein Umfeld zu befragen. Haben Nachbarn, Freunde, Kollegen und Familie vielleicht eine Veränderung im Verhalten bemerkt? Ist das Umfeld, also Menschen die einen gut kennen, der Meinung, dass die eigene schlechte Laune, Stimmungsschwankungen oder Einstellung zum Leben bedenkliche Züge angenommen hat?

Was können die Ursachen einer Depression sein

Ursachen und Auslöser einer Depression können sehr unterschiedlich sein. Ich denke auch, dass es nicht nur einen Auslöser gibt. Es kommen viele Dinge und Situationen zusammen, die man im Leben erlebt hat. Es ist eine Mischung aus unterschiedlichen Erfahrungen, Enttäuschungen und Schicksalsschlägen die letztendlich zu einer Depression führen können.

Was können also die Ursachen oder Auslöser für eine psychische Erkrankung sein? Zum einen gibt es – wie man in meiner Familie gut sehen kann – genetische Vorbelastungen. Die Anfälligkeit für depressive Störungen ist vererbbar. Auch wenn Ärzte dies nicht gerne aussprechen, aus Angst, der Betroffene könnte sich aufgeben. Frei nach der Einstellung, meine Gene kann ich sowieso nicht verändern. Ich sage Ihnen aus eigener Erfahrung, trotzdem kann man etwas tun!

Depressionen können zudem neurobiologische Ursachen haben oder auch von Medikamenten ausgelöst werden. Dabei werden im Gehirn aufgrund von Hormonen, Erkrankungen oder Medikamenten verschiedene neurobiologische Prozesse beeinflusst oder gestört. Dies kann sich auf die Stimmung auswirken und die Ursache für eine depressive Störung sein.

Die Beschwerden können aber auch psychologische Ursachen haben, wenn im Leben der Betroffenen Überlastungssituationen, Verluste oder einschneidende Veränderungen auftreten. Diese Veränderungen müssen nicht unbedingt negativ sein. Es können sich auch positive Erfahrungen auf die Prozesse innerhalb des Körpers und des Gehirns auswirken. Es gibt die Schwangerschaftsdepression und die Wochenbettdepression, welche nur in diesen speziellen Lebenslagen auftreten.

Die Liste der Ursachen einer Depression ist wirklich lang. Es können auch Missbrauch, Mobbing, häusliche Gewalt, Schicksalsschläge und viele weitere negative Lebenserfahrungen können Auslöser und Ursachen von psychischen Erkrankungen sein.

Symptome Depression – Diagnose anhand folgender Symptome

Bei der Diagnose einer Depression werden die einzelnen Symptome betrachtet. Es wird zwischen Hauptsymptomen und Nebensymptomen unterschieden und die Patienten werden hinsichtlich der Häufigkeit des Auftretens dieser verschiedenen Symptome befragt.

Selbstverständlich sind die Symptome nicht bei jedem Betroffenen gleich. Es muss daher jeder Fall differenziert und individuell betrachtet werden. Es wird dann entweder eine leichte, eine mittelschwere oder eine schwere Depression festgestellt, woraufhin eine Behandlungsstrategie ausgearbeitet werden kann.

Hauptsymptome einer Depression

Zu den Hauptsymptomen zählen in erster Linie die schlechte Gemütslage, Hoffnungslosigkeit und häufig auch eine gestörte Selbstwahrnehmung. Die Patienten fühlen sich niedergeschlagen und grundlos traurig. Fühlen sich verloren, isoliert und hoffnungslos. häufig hört man, dass alles schlecht es und das Leben keinen Sinn mehr macht.

Außerdem ist die Eigenwahrnehmung verzerrt oder gestört. Betroffene finden sich oft hässlich, dumm und nutzlos. Eine starke Selbstkritik macht sich breit, aber auch das Gedankenkarussell macht sich breit. Dabei denken die Betroffenen immer wieder über Dinge, eigene Aussagen, Situationen oder Erfahrungen des Tages nach. Diese Gedankengänge gehen häufig mit einer Selbstabwertung und Ängsten einher.

Gefühllosigkeit und ein Gefühl der inneren Leere zählen ebenso zu den Symptomen einer Depression. Genau wie Lustlosigkeit und der Mangel an Freude. Die Betroffenen verspüren keine Lust, ihren Hobbies nachzugehen, Freunde zu besuchen, Sport zu treiben oder irgendwelche Aktivitäten zu planen. Am Ende findet eine soziale Isolierung statt. Diese geht mit dem Verlust der sozialen Kontakte einher.

Depressiven Menschen fällt es ungeheuer schwer, sich für etwas zu interessieren. Müdigkeit und Antriebslosigkeit machen das Bewältigen des Alltags schwer. Wer unter einer depressiven Störung leidet, schafft es oft nur mit extremer Mühe, sich dazu durchzuringen, tägliche Tätigkeiten wie Einkaufen, Duschen, Kochen, Aufräumen oder auch Arbeiten anzugehen.

Schaffen es Betroffene sich endlich aufzuraffen, fühlt sie sich schnell müde und überfordert durch Tätigkeiten, die ihnen sonst wie von selbst von der Hand gingen. Auch das Treffen von Entscheidungen scheint eine unüberwindbare Hürde zu sein.

Nicht zuletzt sind an dieser Stelle auch Suizidgedanken anzuführen. Wer den Verdacht hat, unter einer depressiven Störung zu leiden, sollte entweder einen Arzt oder Psychologen aufsuchen oder einen Selbstdiagnosetest durchführen, welcher die eigene Vermutung belegen kann.

Diese Tests führen ähnliche Fragen auf, wie sie auch der Arzt in seiner Anamnese stellen würde. Ergibt der Test, dass tatsächlich eine Depression vorliegen könnte, ist der Besuch bei einem Mediziner unerlässlich.

Nebensymptome einer Depression

Unter Nebensymptomen werden verschiedene andere Symptome zusammen gefasst, die nur bei einem Teil der von Depression betroffenen Patienten auftreten. Wer mehrere dieser nicht spezifischen Nebensymptome bei sich bemerkt, sollte sich ebenfalls untersuchen lassen.

Diese Nebensymptome sind nachlassende Konzentrationsfähigkeit, Vergesslichkeit, das Nachlassen von Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen, wiederkehrende Schuldgefühle, Ängste, negative Gedankenschleifen, Perspektivlosigkeit und Zukunftsangst.

Betroffene können sich keine erfreulichen Entwicklungen in ihrer Zukunft vorstellen und sehen auch keinen Weg, um dies zu ändern. Schlafstörungen können so aussehen, dass sie sich in Schlafmangel aber auch in übermäßigem Schlafbedürfnis äußern. Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme aber auch starke Gewichtszunahme können eines der Nebensymptome sein.

Therapie und Behandlung von Depressionen

Depressive Störungen sind sehr häufige Erkrankungen und daher sind die Therapiemethoden sehr weit entwickelt. Es gibt unterschiedliche Ansätze, die auf verschiedene medizinische Ursachen abzielen und natürlich auch die Schwere der Störung mit einbeziehen.

Leichte depressive Störungen können in der Regel ambulant behandelt werden. Eine Psychotherapie kann entweder einmal oder mehrmals wöchentlich oder auch in einer Tagesklinik über einen längeren Zeitraum erfolgen, wenn es sich um eine mittelschwere Störung handelt. Bei diesen Arten der Therapie wird meist eine Mischung aus Gesprächstherapie und Beschäftigungstherapie angestrebt.

Tagesklinik bei Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen

Bei einem Aufenthalt in einer Tagesklinik wird neben diesen beiden Ansätzen auch mit Gruppentherapiesitzungen gearbeitet. Je nachdem, wie stark die Beeinträchtigung im Alltag des Patienten ist, kann anstatt eines teilstationären Aufenthalts, ein stationärer Aufenthalt in einer Klinik ratsam sein. Hier ist die ärztliche Betreuung rund um die Uhr gegeben.

Ein weiterer Vorteil einer Tagesklinik ist, dass Patienten nicht komplett aus dem Alltag gerissen werden. Bei einer Psychosomatik-Kur hingegen kommen die Patienten für sechse Wochen in einer Kurklinik, meist weit weg von zu Hause und damit auch von den Hürden, Hindernissen, Herausforderungen und Problemen des Alltags. In einer Tagesklinik sind die Patienten bei weiten nicht so abgeschirmt.

Meisten ist man von neun bis elf Uhr in der Tagesklinik, danach fährt man nach Hause. Ein Aufenthalt in einer Tagesklinik bietet also den Vorteil, dass die Patienten Privatleben und Klinik vereinbaren müssen. Sollten Probleme auftreten, können diese sofort und gezielt in der Tagesklinik angegangen werden. Meine Meinung ist, eine Kurklinik ist Erholung und Urlaub. Der Aufenthalt in einer Tagesklinik ist Arbeit an und mit sich selbst.

Psychotherapie zur Behandlung bei psychischen Erkrankungen

In der Psychotherapie kommen verschiedene Ansätze zum Einsatz. Es geht darum, die negativen Gedanken und Gemütszustände zu identifizieren und langsam abzubauen. Aktive und positive Verhaltensmuster sollen aktiviert oder reaktiviert werden.

Ein Ansatz ist die kognitive Verhaltenstherapie. Bei dieser Therapieform wird vorrangig auf einen geregelten Tagesablauf im Alltag und auf den Fokus auf positive Erlebnisse und Erfahrungen sowie körperliche Betätigung gesetzt, um die Stimmung der Patienten zu verbessern.

Zudem werden Methoden erlernt, die dabei helfen sollen, negative Gedankenmuster zu durchbrechen und neue Denkmuster zu etablieren. Diese Methoden sind Achtsamkeitsübungen, Entspannungsverfahren – wie PME -, Fantasiereisen, Atemübungen, Skills – diese werden für das Durchbrechen von Negativkreisläufen und Phasen hoher Anspannung oder Aggression verwendet – und Affirmationen.

Persönliche Beziehungen und deren Aufbau spielen in der kognitiven Verhaltenstherapie ebenfalls eine wichtige Rolle.

Die interpersonelle Therapie ist ein weiterer wissenschaftlicher Ansatz in der Psychotherapie. In diesem Falle wird der Fokus auf die Aufarbeitung von schwierigen Themen und auf die zwischenmenschliche Komponente gelegt. Patienten sollen Zusammenhänge zwischen persönlichen Ereignissen und Beziehungen in ihrem Leben und der Depression ergründen und verarbeiten lernen.

Diese Therapieform wird vor allem dann gewählt, wenn es naheliegt, dass ein einschneidendes persönliches Ereignis Grund für die depressive Störung ist. Dieser Therapieansatz ähnelt der tiefenpsychologischen Psychotherapie.

Gestalt- und Gesprächstherapie sind Ansätze, die in den meisten Behandlungskonzepten auftauchen und unterstützend betrieben werden. Beide zielen darauf ab, dem Patienten dazu zu verhelfen, seine Gefühle und Reaktionen besser zu verstehen und zu beeinflussen.

Im persönlichen Gespräch werden die Patienten sich ihrer Gefühle bewusst und lernen sie zu akzeptieren. Diese Therapieformen sind vor allem bei leichten Störungen sehr erfolgversprechend. Neuerdings gibt es vor allem in dieser Richtung auch Online-Angebote in Form von Therapie-Apps und Selbsthilfe-Programmen. Diese bei leichteren Formen der Depression als Überbrückung zur Therapie in einer Praxis wahrgenommen werden können.

Psychotherapieplatz finden Wie finden sie einen geeigneten Psychotherapeuten

Zuerst möchte ich Sie darauf vorbereiten, dass es in der heutigen Zeit sehr schwierig ist einen geeigneten Psychotherapieplatz zu finden. Meisten ist ein solcher Platz mit langen Wartezeiten und vielen Telefonaten oder E-Mails verbunden.

Es ist ganz wichtig, dass Sie sich nicht davon abschrecken lassen. Probieren Sie es immer wieder. Eine Hilfe für ein Erstgespräch könnte die Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen(KVN) sein. Achtung, soweit mir bekannt, hat jedes Bundesland eine eigene Kassenärztliche Vereinigung. Die Nummern dazu bekommen Sie im Internet.

Hier muss Ihnen innerhalb von zwei Wochen ein Erstgespräch zur Beurteilung der psychischen Verfassung vermittelt werden. Läuft es gut, bekommen Sie ein PTV 11 Formular. Mit diesem Formular muss Ihnen schnellstmöglich ein weiteres Gespräch vermittelt werden. Soweit die Theorie. In der Praxis sieht das leider gänzlich anders aus. Es gibt einfach nicht genügend Psychotherapieplätze.

Daher rate ich Ihnen, den oben genannten Weg zu gehen und selbst tätig zu werden. Rufen Sie alle Psychotherapeuten in Ihrer Nähe an. Schreiben Sie Ansprechpartner, Datum und Uhrzeit auf. Lassen Sie sich auf Wartelisten setzen und vermerken Sie auch das.

Sollten Sie irgendwann akut Hilfe benötigen, legen Sie Ihre Notizen der Krankenkasse vor. Vielleicht bekommen Sie eine Kostenerstattung um an einer Psychotherapie bei einem Heilpraktiker für Psychotherapie teilzunehmen oder in einer privaten Psychotherapiepraxis. Mehr Informationen dazu finden Sie hier: Information zur Kostenerstattung

Trotz der prekären Lage ist es ganz wichtig, dass Sie nicht den Mut verlieren. Machen Sie weiter. Ich musste auch sehr lange suchen, bis ich einen geeigneten Psychotherapieplatz gefunden hatte.

Ablauf beim Psychotherapeuten

Der Ablauf hängt zum einen von Ihrer Erkrankung und der Schwere ab. Deshalb möchte ich dazu nur wenige Worte verlieren. Nachdem Sie einen Platz für eine Psychotherapie gefunden haben, gibt es einen Ersttermin. Dort werden Sie über das weitere Vorgehen Informiert. Die ersten fünf Gespräche dienen zum Kennenlernen. Danach können Sie entscheiden, ob die Chemie zwischen Ihnen und dem Therapeuten passt und ob Sie die Therapie bei Ihm fortsetzen möchten.

Mein Rat an Sie, nutzen Sie diese Stunden. Sollte die Chemie nicht passen, überlegen Sie sich ob Sie nicht weitersuchen. Haben Sie dabei aber immer die langen Wartezeiten im Kopf. Trotzdem ist es für den Erfolg einer Psychotherapie sehr wichtig, dass Sie sich dem Therapeuten öffnen können.

Sollten Sie von Anfang an das Gefühl haben, dass es nicht passt und Sie niemals Vertrauen zu dem Psychotherapeuten aufbauen können, suchen Sie nach einem anderen Platz. Soweit Ihr gesundheitlicher Zustand dies zulässt. Bedenken Sie dabei stets, dass eine Depression oder andere psychische Erkrankung möglichst frühzeitig behandelt werden sollte um einen guten Behandlungserfolg zu erzielen.

Medikamentöse Behandlung von Depressionen

Antidepressiva spielen bei der Behandlung von Depressionen eine elementare Rolle. Sie werden immer dann eingesetzt, wenn im Körper des Patienten ein Ungleichgewicht – oder ein Verdacht darauf besteht – festgestellt werden konnte, welches als eine der Ursachen für eine Depression verantwortlich gemacht werden kann. Antidepressiva sollten nicht leichtfertig eingesetzt werden, jedoch auch nicht verteufelt werden.

Meist geht es um Ungleichgewichte im Gehirn, die durch den Mangel an den Botenstoffen Serotonin und Noradrenalin entstehen. Medikamente, die diese Botenstoffe enthalten, verändern nicht die Persönlichkeit des Patienten. Es sind keine Psychopharmaka.

Antidepressiva entfalten ihre Wirkung meist schon nach wenigen Wochen, können aber Nebenwirkungen wie Müdigkeit und Appetitlosigkeit mit sich bringen. Auch können bestimmte Antidepressiva die Symptome einer Depression vorerst verschlimmern, bevor eine Besserung eintritt. Daher sollte die Einnahme gerade bei Depressiven mit Suizidgedanken engmaschig überwacht werden.

Die Einnahme von Antidepressiva wird meist auf mindestens ein halbes Jahr angelegt, um sicherzustellen, dass sie ihre Wirkung auch tatsächlich entfalten können. Natürlich ist die nur eine Mindestdauer. Einige Patenten nehmen über mehrere Jahre Antidepressiva ein. Ganz wichtig ist, sich stets an den Rat des Hausarztes oder Psychiaters zu halten und die Medikation nicht von alleine erhöhen oder abzusetzen.

Welche Antidepressiva gibt es

Unter den Antidepressiva gibt es verschiedene Gruppen von Medikamenten. Sogenannte Serotonin-Wiederaufnahmehemmer sorgen dafür, dass der Körper seine eigenen Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin besser aufnehmen kann. Diese Wiederaufnahmehemmer haben im Gegensatz zu den älteren Antidepressiva geringe Nebenwirkungen. Ich zum Beispiel nutze so ein Medikament. Es heißt Citalopram und hilft mir sehr gut.

Als trizyklische Antidepressiva werden Medikamente bezeichnet, die die Wirkung der Botenstoffe verstärken. Bei trizyklischen Antidepressiva werden häufig zu Anfang der Einnahme Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Verstopfung und Mundtrockenheit beobachtet.

Monoamino-Oxidase-Hemmer, kurz MAO-Hemmer, blockieren die Monoamino-Oxidase, ein Enzym, das die Botenstoffe im Körper abbaut. Sie werden weniger häufig verschrieben, weil sie nur gemeinsam mit einer strengen Diät eingenommen werden können.

Patienten müssen während der Einnahme auf Käse, Fisch, Nüsse und verschiedene Obstsorten verzichten. Als natürliches Antidepressivum wirkt Johanniskraut, das wie ein Nahrungsergänzungsmittel erhältlich ist. Um wirksam zu sein, muss eine recht hohe Dosis eingenommen werden.

Schwerere Depressionen werden mit Neuroleptika und Psychopharmaka therapiert. Diese haben jedoch starke Auswirkungen auf den gesamten Körper und müssen daher streng medizinisch beobachtet werden. Neuroleptika wirken beruhigend und werden unter anderem zur Behandlung von Angststörungen eingesetzt. Bei diesen Medikamenten sind die Nebenwirkungen meist nicht zu vernachlässigen.

Letztendlich gilt, Medikamente egal ob Antidepressiva oder nicht, sollten immer genau nach Vorschrift eingenommen werden und nur in Absprache mit einem Arzt. Sollten Sie solche Medikament einnehmen, rate ich Ihnen dazu, regelmäßig die Blutwerte checken zu lassen. Außerdem sollten Sie beachten, dass einige Medikamente Wechselwirkungen mit Johanniskraut, Tryptophan 5htp und anderen Mitteln aufweisen. Gerade die Einnahme von Serotonin-Wiederaufnahmehemmern und Tryptophan 5htp kann lebensgefährlich sein.

Alternative Therapien und Alltagshilfe gegen Depressionen

Kunst, Musik und Tanztherapien können eine enorm positive Auswirkung auf den Gemütszustand von Patienten haben. Sie werden entweder in die Therapie mit einbezogen oder auch einfach vom Patienten als Selbsthilfe ergänzend angestrebt. Sich kreativ zu betätigen und auszudrücken wirkt oft sehr erleichternd und entspannend auf die Patienten.

Viele Tages- und Kurkliniken bieten Gestaltungstherapie, Tanztherapie oder andere Maßnahmen aus diesem Bereich an. Probieren Sie es aus, ob diese Art der Entspannung und Erholung etwas für Sie ist.

Weitere Ansätze in der Depressionsbehandlung sind in der aktiven Umgestaltung im Alltag begründet. Leider ist gerade die Depression eine Krankheit, die es vielen Betroffenen unmöglich macht, sich selbst aus ihrem Dilemma zu befreien, weil die Depression sich ja gerade darin äußert, dass die Betroffenen keine Energie haben, um sich selbst zu helfen.

Bei leichten Formen der Depression, wenn noch ein minimaler Wille zur Veränderung und zur Selbsthilfe vorhanden ist, können Selbsthilfegruppen sehr wirkungsvolle Impulse setzen. Diese Gruppen haben den Vorteil, dass Sie sich mit anderen Betroffenen austauschen können und neue Kontakte knüpfen können. Die anfängliche Angst vor der Gruppe oder das Unbehagen vor anderen über seine Erkrankung oder Einschränkung zu sprechen verfliegen nach den ersten Besuchen.

Sport und Bewegung spielen auch eine wichtige Rolle. Diese helfen im Allgemeinen den Betroffenen, sich wieder lebendig zu fühlen. Außerdem sorgt Sport dafür, dass Stresshormone abgebaut und vermehrt Glückshormone ausgeschüttet werden. Zusätzlich kann das Gefühl etwas getan zu haben das Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl steigern.

Eine Ernährungsumstellung hin zu gesunden und belebenden Ernährungsgewohnheiten gibt dem Körper Energie zurück, die ihm bei Fastfood und Fertigmahlzeiten oft fehlt. Lebensmittel, die Vitamin D, B6, B9 und B12 sowie essentielle Fettsäuren und Omega-3-Fettsäuren enthalten reduzieren die Auswirkungen von Depressionen. Auch der Jiaogulan Pflanze und dem Reishi Pilz werden in der traditionellen chinesischen Medizin eine ausgleichende Wirkung der Psyche nachgesagt.

Betroffene sollten sich so viel wie möglich draußen aufhalten, denn das Sonnenlicht liefert Vitamin D und fördert die Bildung von Serotonin. Bei leichten depressiven Episoden kann eine Tageslichtlampe sehr gute Erfolge bringen. Tageslichtlampen mit mindestens 10000 LUX werden bereits in Kliniken zur Behandlung von Depressionen und depressiven Episoden eingesetzt.

Ein geregelter Tages- und Schlafrhythmus ist wichtig, auch wenn es Patienten oft schwerfällt, am Morgen aufzustehen. Das soziale Umfeld kann eine entscheidende Rolle beim Gesundungsprozess spielen, denn der Einfluss von positiven Gesprächen sowie das Vorhandensein von Menschen, die den Betroffenen immer wieder mitreißen und animieren, etwas gegen seine Depression zu tun, muss sehr hoch eingeschätzt werden.

Jeder Betroffene sollte seine Angehörigen in seine Therapieziele einweihen und sie für den Gesundungsprozess mit einspannen. Als Angehöriger ist es wichtig, die Therapieziele zu kennen und zu unterstützen. Bemerkungen wie „Jetzt reiß dich doch einfach zusammen“ sind nicht hilfreich.

Depression als neue Volkskrankheit

Statistisch gesehen leidet jeder fünfte Deutsche einmal in seinem Leben an einer depressiven Störung. Bei manchen Menschen tritt diese Depression einmalig auf, andere erfahren die Symptomatik mehrmals in ihrem Leben.

Vergleichswerte sind vorsichtig zu betrachten, denn Depressionen gibt es in so vielen verschiedenen Ausprägungen und Schweregraden, dass es schwer ist, zuverlässige Statistiken zu erstellen. Viele Menschen sprechen aus falsch verstandenem Schamgefühl nicht über ihre depressiven Störungen.

Statistisch gesehen leiden Menschen in hochentwickelten Ländern deutlich häufiger an Depressionen als in Entwicklungsländern. Das mag aber auch damit zusammen hängen, dass Depressionen in Entwicklungsländern meist unerkannt und unbehandelt bleiben.

Eine Depression diagnostizieren und behandeln zu lassen, ist kein Eingeständnis von Schwäche, sondern im Gegenteil ein Zeichen von Mut, sein Problem anzuerkennen und bekämpfen zu wollen, zeugt von Entschlossenheit und Stärke.

Wer sich mit dem Thema Depression befasst muss sich auch mit den volkswirtschaftlichen Auswirkungen dieser sehr häufigen Krankheit beschäftigen. Da sie zu den häufigsten Erkrankungen gehört, verursacht sie eine große Anzahl an Krankentagen, Kosten für Behandlung und Medikamente und in den schlimmsten Fällen auch Selbstmorde. Wie bereits erwähnt, habe ich drei mir sehr nahe stehende Menschen durch Suizid verloren.

Die Depression darf also nicht vernachlässigt oder auf die leichte Schulter genommen werden. Jeder sollte auf die Warnsignale an sich selbst wie auch bei seinen Mitmenschen achten und diese nicht verurteilen oder ins Lächerliche ziehen.

Aufklärung ist essentiell, um das Thema ins öffentliche Bewusstsein zu rücken und immer wieder darauf hinzuweisen, dass es sich um eine Erkrankung handelt, für die man sich nicht schämen muss und die vergleichsweise gut therapierbar ist.

Verschiedene Organisationen und Stiftungen – beispielsweise die Robert Enke Stiftung – engagieren sich in der Aufklärung der Öffentlichkeit wie auch in der Hilfestellung für Betroffene. Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe und die Deutsche Depressionsliga sind zwei weitere der gemeinnützigen Organisationen zu diesem Thema.

Auch das Gesundheitsministerium hat schon verschiedene Aufklärungskampagnen geführt. In den sozialen Medien und auf zahlreichen Selbsthilfe-Blogs zum Thema werden im Internet Diskussionen geführt und Tipps ausgetauscht. Das Internet hat entscheidend dazu beigetragen, im Prozess der Entstigmatisierung zu helfen, denn es erleichtert Betroffenen den Austausch untereinander.

Bitte vergessen Sie nicht die Selbsthilfe bei Depressionen. Dazu habe ich einen gesonderten Beitrag verfasst: Selbsthilfe Depression